Umwege sind gefĂŒhrte Wege

Diesmal hatten wir wieder Ă€rztliche UnterstĂŒtzung durch Waltraud Merkle bei uns, die uns beiden vielen Checkups in den neuen Dörfern freudig unterstĂŒtzte.Als wir sie nach 3 Wochen zum Bahnhof brachten, hatte der Zug eine VerspĂ€tung, und wir konntenauf der RĂŒckfahrt nicht die BrĂŒcke zum Krankenhaus benutzen. Der Verkehr war wieder einmalkollabiert und nichts konnte sich mehr von den drĂ€ngelnden Ochsenkarren, Ziegen, Mopedsmit 4 Personen, Pritschenwagen voller Arbeiter und Bausteinen, Bussen mit ca. 30 Personen aufdem Dach ĂŒber diese enge EisenbahnbrĂŒcke zwĂ€ngen. Kurz entschlossen nahmen wir einen UmwegĂŒber einen aufgeschĂŒtteten HĂŒgel durch ein Flussbett (hier war die BrĂŒcke vor Monaten eingebrochen– eine Reparatur ist vorerst nicht in Sicht). Im Vorbeifahren entdeckten wir eine Fraumit einem offenen UnterschenkelgeschwĂŒr, wobei ein Drittel des Unterschenkels bereits eingeschmolzenwar. An ihrer Hand lief ein kleiner Junge. Wir hielten an und fragten nach ihrer Behandlung.Ihre Familie hatte sie ausgestoßen, da sie die Kosten fĂŒr eine langwierige Behandlungnicht aufbringen wollten. Nun wohne sie mit ihren Kindern bei einem Onkel, wo sie durch Bettelnihr Bleiberecht erwirke. Wir luden sie mit ihrem Kind ins Auto und nahmen sie mit ins Krankenhaus.Sofort entflammte das Herz unserer Sr. Lissy und sie versorgte sie mit einem Verband, Essenund frischen Kleidern. Wir boten ihr an, sie mit den Kindern aufzunehmen und am nĂ€chsten Tagmachte sie sich auf um das zweite Kind zu holen
. Leider erschien sie nicht wieder!

Zu blĂŒhendem Leben erwacht

Unsere junge Mutter Gusum, die ebenfalls im Leben gestrandet war und als Bettlerin hochschwangerauf der Straße saß, ist bei uns zum blĂŒhenden Leben erwacht und hĂŒtet nun auchkranke Kinder auf unserer Station mit, wenn ihre MĂŒtter beschĂ€ftigt sind. Wir wollten ihr eine2 Schneiderlehre anbieten, jedoch hat sie nun eine Stelle als Hausangestellte gefunden, wo ihr Kindmitdarf und eine Schulbildung spĂ€ter bekommen kann.

Ganz glĂŒcklich und gut erholt erlebten wir die 14-jĂ€hrige Rajini, die sich gerade von einer Herzoperation in einem auswĂ€rtigem Herzzentrum erholt hatte. Mit UnterstĂŒtzung der lokalen Rotarier konnten wir diese sehr rasch organisieren. Ihre drei Geschwister und ihr Vater waren an Herzfehlern gestorben, denen ein Zugang zu einer kostspieligen OP nicht möglich war.

Gottes Hilfe fĂŒr Sijan

Große Sorgen machen wir uns um Sijan mit einem Non Hodgkin Lymphom. Wir haben einen gutenund zugewandten Onkologen in Kalkutta gefunden, durch seine Mithilfe konnten wir nach mehrerenAnlĂ€ufen einen Krankenhaus Platz in Kalkutta, im Medical College ergattern. Unser treuerHelfer Pankaj ist mehrmals nachts mit dem Zug losgefahren, um Diagnostik und Arztbesuche zukoordinieren. Die Verwandten sind in der Millionenstadt Kalkutta verloren, sie kampieren vor demKrankenhaus auf Plastikplanen auf der Straße, um am Tag den Kranken besuchen zu können.Durch den persönlichen Kontakt hat die Therapie auch rasch begonnen, jedoch benötigen wirGottes Hilfe, hat uns der Onkologe fest versichert!

HumanitĂ€re Arbeit bekommt eine wissenschaftliche StĂŒtze

Silvi (Entwicklungsökonomie) und Caroline (ErnĂ€hrungswissenschaft) haben ihre gemeinsameDoktorarbeit nun begonnen, welche von der UniversitĂ€t Hohenheim betreut wird. Dazu besuchenwir 20 neue Dörfer und suchen alle Kinder bis 3 Jahre, Schwangere und stillende MĂŒtter herausund prĂŒfen die ErnĂ€hrungslage, messen Gewicht ,LĂ€nge und MUAC (den Oberarmumfang), sowieden Body Mass Index BMI und den HĂ€moglobingehalt im Blut, um das Ausmaß von MangelernĂ€hrung,Infektionsrate und AnĂ€mien festzuhalten.

In 15 Dörfern wurden unsere ErnĂ€hrungsprogramme eingefĂŒhrt. FĂŒnf Dörfer erhalten ein Konzentrataus Moringa/Amaranth und 5 Dörfer einen kommerziellen Mineral-/Vitaminzusatz und 5nur das ErnĂ€hrungsprogramm. Nach einem Jahr wollen wir sehen, wie sich die ErnĂ€hrungssituationverbessert hat, anhand von Wachstum, Gewichtszuwachs ,Verbesserung der AnĂ€mie und Infektionsrate.Dabei arbeiten wir mit dem lokalen Landwirt Srikanta zusammen, der sein gut organisiertesMitarbeiterteam einsetzt und hoch motiviert dabei ist.
Jeden Tag besuchten wir ein neues Dorf und haben so unseren Radius ganz schön ausweiten können.In manchen Dörfern trafen wir auch schon auf bekannte Gesichter, Patienten, die bereits inunserem Krankenhaus waren. Sonjoy, ein herzkrankes Kind mit Fallot Tetralogie, den wir vor 2Jahren in Kalkutta operieren ließen, hat nur minimal an Gewicht zugenommen. Gleich haben wirihn wieder bei uns aufgenommen, um ihn aufzupĂ€ppeln und zur weiteren Diagnostik.In einem Dorf meinte eine Frau ,sie kenne mich aus dem Dorf Ghosaldanga, wo ich angefangenhabe und sie hĂ€tte sich so sehr gewĂŒnscht, dass ich auch einmal hierher in ihr neues Dorf kommeund nun seien wir einfach da. Damit ist die Akzeptanz im neuen Dorf recht leicht. Nur in einemDorf war es schwierig, als ein angetrunkener Mann uns anzeigen wollte, weil wir Blut abnehmenund missionieren wĂŒrden. Manchmal gab es ein lautes Wehklagen der Kinder, mehr bedingt durch das Messen und Wiegen, als das Blutabnehmen. Unser Landwirt Srikanta wollte lieber aufSicherheit setzten und organisierte eine Einladung an die lokalen Politiker, um unser Programmvorzustellen und abzusichern. Dies fand in einem Dorf statt, wobei wir den neuen Gesundheitsarztkennenlernten, den wir dringend fĂŒr unsere Lizenzen im Krankenhaus brauchen. Die Politiker warensehr bemĂŒht, die Regierungsprogramme vorzustellen.
Neu sei, dass Kinder nun eine finanzielle Hilfe fĂŒr notwendige Herzoperationen bekommen sollen.Wir konnten dies gleich in Anspruch nehmen, da bei unseren vielen Checkups in den Dörfern, zweiKinder mit schweren Herzfehlern gefunden wurden. Sie sind gerade im administrativen Instanzenwegund wir warten auf den OP-Termin
. Das sind die Steine am Wegrand, die man aufhebenund mit denen man bauen kann!

Tuberkulose-Team in vollem Einsatz

Im Krankenhaus hat Silvi unsere TB Arbeit gut im Ablauf strukturiert und mit Hilfe von Tabellengeordnet. Gleich an der Anmeldung sollen die verdĂ€chtigen Patienten erkannt und mit Mundschutzseparat außen gesetzt werden. Hat sich der Verdacht bestĂ€tigt, beginnt Jayanta die AufklĂ€rungĂŒber die Krankheit und die Therapie, um vorzeitige AbbrĂŒche zu vermeiden.Wir bieten den Patienten Zusatzmedikamente/Vitamine und Zusatznahrung an. Falls sie nichttermingerecht kommen, fahren unsere Helfer in die Dörfer, um sie zu holen
 So auch einen 35-jĂ€hrigen Mann, der nur noch Haut und Knochen war und seit 6 Monaten nicht mehr aufstehen konnte und nur in seiner HĂŒtte lag. Rasch war die Diagnose TB bestĂ€tigt und alle engen Familienmitgliedermit untersucht. Vor allem wollen wir kleinen Kindern im Haushalt eine PrĂ€vention anbieten,falls sie sich nicht angesteckt haben und eine eigene Therapie benötigen.Wir arbeiten nun mit den TB-Regierungsstellen zusammen, die uns als TB versorgendes Zentrumanerkennen wollen.

Ambulanzauto eingeweiht

Unser kleiner Ambulanzwagen wurde uns in einem kleinen Festakt von den Rotariern ĂŒbergeben.Sogleich war er auch rege im Einsatz. Wir hoffen diese Zusammenarbeiten weiter bei den ErnĂ€hrungsprogrammen fortsetzten zu können.

Wo Ideal zu Wirklichkeit wird

Mina und Rupa sind nun schon fast ein Jahr bei uns. Mina ist wieder krĂ€ftig, ihre WirbelsĂ€ulen TB ist fast ausgeheilt. Zwei ihrer Kinder besuchen ein Schul-Internat und Rupa ist im Krankenhaus zu einer aufgeweckten kleinen Persönlichkeit geworden. Eines Abends als wir aus den Dörfern zurĂŒckkehrten, finden wir Rupa in der Rezeption zusammen mit einem anderen Kind Arm in Arm sitzend und fröhlich lachend vor dem Wandbildnis von Jesus mit den Kindern: Lasst die Kinder zu mir kommen… Wir sind still, berĂŒhrt, wo Ideal zur Wirklichkeit wird!

„Was ihr fĂŒr einen meiner geringsten BrĂŒder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (MatthĂ€us 25, 40)